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| Bildquelle: Netzverb (www.verbformen.de) (CC BY-SA 4.0) |
"Alles Alte ist gut, alles Neue... nicht so sehr. Das Alte ist Kanon, das sagt doch schon alles über seine Qualität aus!" (frei nach konservativen Rezensenten [absichtlich nicht gegendert] im Internet).
"Holt Euch einen Kaffee, wir schauen uns das mal zusammen genauer an." (frei nach Mai Thi Nguyen-Kim; sorry, Mai, ich mag keinen Tee, Deine Sendung ist trotzdem wunderbar)
Vor zwölf Jahren schrieb ich einen Blogeintrag zum Thema "Was ist ein literarischer Kanon?". Darin ging es um Kanonisierung, also darüber, wie ein literarischer Text in diesen geheimnisvollen Kanon aufgenommen wird. Der Artikel ist alt und enthält ein paar Punkte, die ich heute anders formulieren würde, aber insgesamt stehe ich immer noch zu dem dort geschriebenen. Und das, obwohl (oder: weil) ich mich in der Zwischenzeit sehr intensiv mit diesen Fragen weiterbefasst habe: Ich habe mehrere Uni-Seminare zum Thema "Kanon" und "Kanonisierung" unterrichtet, ich habe Fachartikel zu dem Thema in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht (Literaturangaben siehe unten) und ich habe auf Konferenzen zu diesen Fragen referiert und mit anderen Forschenden diskutiert (meine credentials lassen sich hier nachlesen). Und trotz des langen und intensiven Nachdenkens darüber, glaube ich, dass meine damalige Antwort auf die Frage "Was ist ein Kanon?" auch meine heutige Antwort auf die Frage ist:
Ein Kanon sagt weniger etwas darüber aus, welche Bücher lesenswert sind und welche nicht. Ein Kanon sagt vielmehr etwas über den aus, der ihn geschrieben hat. (literaturen.net, 30.08.2009)
Ich möchte mich daher in diesem Beitrag mit drei Vorstellungen von "Kanon" und "Kanonisierung" beschäftigen, die mir immer wieder begegnen und die, wie ich glaube, oft falsch verstanden werden. Wie gesagt, etwas längerer Artikel, holt Euch einen Kaffee.


