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Sonntag, 10. Oktober 2021

Der Kanon: Das natürlich Immergute oder eine Waffe im Kulturkonflikt?

Bildquelle: Netzverb (www.verbformen.de)
(CC BY-SA 4.0)

"Alles Alte ist gut, alles Neue... nicht so sehr. Das Alte ist Kanon, das sagt doch schon alles über seine Qualität aus!" (frei nach konservativen Rezensenten [absichtlich nicht gegendert] im Internet). 

"Holt Euch einen Kaffee, wir schauen uns das mal zusammen genauer an." (frei nach Mai Thi Nguyen-Kim; sorry, Mai, ich mag keinen Tee, Deine Sendung ist trotzdem wunderbar)


Vor zwölf Jahren schrieb ich einen Blogeintrag zum Thema "Was ist ein literarischer Kanon?". Darin ging es um Kanonisierung, also darüber, wie ein literarischer Text in diesen geheimnisvollen Kanon aufgenommen wird. Der Artikel ist alt und enthält ein paar Punkte, die ich heute anders formulieren würde, aber insgesamt stehe ich immer noch zu dem dort geschriebenen. Und das, obwohl (oder: weil) ich mich in der Zwischenzeit sehr intensiv mit diesen Fragen weiterbefasst habe: Ich habe mehrere Uni-Seminare zum Thema "Kanon" und "Kanonisierung" unterrichtet, ich habe Fachartikel zu dem Thema in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht (Literaturangaben siehe unten) und ich habe auf Konferenzen zu diesen Fragen referiert und mit anderen Forschenden diskutiert (meine credentials lassen sich hier nachlesen). Und trotz des langen und intensiven Nachdenkens darüber, glaube ich, dass meine damalige Antwort auf die Frage "Was ist ein Kanon?" auch meine heutige Antwort auf die Frage ist: 

Ein Kanon sagt weniger etwas darüber aus, welche Bücher lesenswert sind und welche nicht. Ein Kanon sagt vielmehr etwas über den aus, der ihn geschrieben hat. (literaturen.net, 30.08.2009)

Ich möchte mich daher in diesem Beitrag mit drei Vorstellungen von "Kanon" und "Kanonisierung" beschäftigen, die mir immer wieder begegnen und die, wie ich glaube, oft falsch verstanden werden. Wie gesagt, etwas längerer Artikel, holt Euch einen Kaffee.

Mittwoch, 22. September 2021

Krimi und Rollenspiel, oder: Der Mörder war... irgendwer


Ich durfte für System Matters das PbtA-Spiel Brindlewood Bay von Jason Cordova ins Deutsche übersetzen. Das Spiel befindet sich aktuell (Stand: September 2021) im Layout und wird in Kürze "als gebundene Ausgabe [im] typischen pbta-Format (17×24 cm)" erscheinen (siehe hier). Wer es bis zum Erscheinen der deutschen Übersetzung von Brindlewood Bay nicht mehr abwarten kann, kann auf DriveThruRPG das englischsprachige PDF für $10.00 kaufen. Ferner kann ich sehr empfehlen, die komplett deutschsprachige Veröffentlichung der Kriminalfälle für Brindlewood Bay (also sozusagen die "Abenteuer" bzw. die "Abenteuermodule"), die bei der 3W6 Game Jam erstellt wurden, hier herunterzuladen (als Pay What You Want; solltet Ihr ein paar Euro übrig haben, sollen diese, laut den Jam-Organisator*innen, für eine mögliche Übersetzung ins Englische verwendet werden). Die Game Jam durfte dank freundlicher Genehmigung von System Matters bereits vor der Veröffentlichung von Brindlewood Bay Teile der Übersetzung verwenden, so dass die dort benutzten Regelbegriffe 100% kompatibel mit dem in Kürze erscheinenden Band von System Matters sind.


Ich fange diesen Post über Krimi im Rollenspiel deshalb mit Brindlewood Bay an, weil es ein zentraler Bezugspunkt für meine Überlegungen ist und weil ich glaube, dass es diesem Spiel wie nur wenigen anderen gelungen ist, ein zentrales Problem von Kriminalfall und Rollenspiel zu lösen (ein anderes gutes Beispiel ist das ebenfalls bei System Matters erschienene Etwas zu verbergen, wie auch in dieser 3W6-Podcastfolge erläutert wird).

Mittwoch, 22. Juli 2020

Beschreibungen im Rollenspiel und warum ich sie nicht mag

Ich möchte in diesem Artikel erläutern, weshalb ich detaillierte Beschreibungen aus meinem Rollenspiel gestrichen habe - und das, obwohl ich mich schon immer sehr für Beschreibungen interessiert habe. Ich habe sogar ein Buch über Beschreibungen geschrieben - konkret über Beschreibungen im Roman des 19. Jahrhunderts, der Epoche also, die berüchtigt für ihre endlos langen Beschreibungen von Interieurs, Gesichtern, Kleidern, Straßenzügen, Landschaften usw. war. 


Auslöser für mein Interesse war, dass ich diese Beschreibungen lange Zeit gehasst habe. Aus zwei Gründen. Einerseits, weil stie die Handlung, den Plot unterbrechen und ich, bevor ich professioneller Literaturwissenschaftler wurde, primär an der Handlung eines Romans interessiert war. Andererseits, weil ich mir schlicht nichts darunter vorstellen konnte, weil ich keine Bilder vor meinem geistigen Auge sah.